Beiträge aus dem Newsletter Nr. 17, 05/2026

Eine Kurve durch den Wienerwald

von Untertullnerbach nach Pressbaum am Freitag den 6.März 2026
von Mannfried Hamberger

Liebe Wanderinnen und Wanderer,

unser Abenteuer beginnt schon am Bahnsteig in Hütteldorf. Am Falschen.
Gewohnt war ich, dass seit Jahrzehnten die S-Bahnen nach Westen am Bahnhof Huetteldorf immer vom Einserbahnsteig abfahren…….JA ! Auch Fahrpläne werden verändert. So stolpern wir später in unsere Wanderung – mit dem nächsten Zug. Mobiltelefon sei Dank, können wir zu jenen Fünfen, die am Westbahnhof in den richtigen Zug gestiegen sind, Kontakt halten

Untertullnerbach, wir steigen aus und gehen zur Bundesstraße. Wir kommen … und links neben der Straße ins Irenental läutet am Dach einer schmucken Holzbaracke eine Glocke. Ursula identifiziert das Holzhaus als Filialkirche Maria im Wienerwald. Welch ein Name!

Birgit, Kathi, Inge, Bernhard und Otmar amüsieren sich im Untertullnerbacher Hochseilgarten bis die Späteren auch da sind. Jetzt sind wir zu Neunt. Wir queren den Tullnerbach und pirschen bergan zur Forststraße, die parallel zum Irenental verläuft. Wie im Einladungsschreiben ankündigt, haben wir  ein schönes Zeitl lang nach rechts, zwischen den nackten Jungbäumen hindurch, prächtigen Panoramablick ins Tal.

Die Frühfrühlingsblüher begleiten uns erdnahe: Leberblümchen, Huflattiche, Schlüsselblumen, Veronika, Schneeglöckchen und Schneerosen lassen immer wieder unsere Köpfe tiefer sinken.

Das Irental ist ein Sacktal. Sanfte Wiesenhänge bilden sein „Ende“. An diesem Eck probiert Otmar forsch eine schon besetzte Bank für uns zu erobern.  Und lässt sich von der gelassenen Reaktion der beiden Sitzenden entwaffnen. Gleich daneben lassen wir uns ins trockene Gras fallen.

Was für ein friedliches Bild:
Neun Erwachsene – sitzend und jausnend, liegend und sich sonnend.

Bevor wir weiterziehn, frage ich meine Kolleginnen und Kollegen, ob sie sich von etwas überraschen lassen wollen, mit dem wir hierorts nicht gerechnet hätten: Ja, wir wollen.

Dem Weg zur Überraschung nach Westen folgend, stehen wir kurz drauf davor: Und was isses jetzt? – Ein Gefängnis oder eine Heilanstalt?
Es ist ein Gefängnis, idyllisch mitten im Wienerwald gelegen (drinnen wirds weniger idyllisch wirken). Und eine Heilanstalt. Hierher, in die Haftanstalt Wilhelmshöhe, werden Häftlinge mit Lungenproblemen und psychischen Erkrankungen verlegt. (Eine kurze, wie ich finde, sehr interessante Zusammenfassung könnt ihr hier finden: https://www.justiz.gv.at/ja_wien-josefstadt/justizanstalt-wien-josefstadt-lungenheilstaette-wilhelmshoehe/zustaendigkeit.2c94848644976a110144d4be80b006a7.de.html)

Von der Haftanstalt gehen wir weiter Richtung Gasthaus Mirli. Das Gasthaus liegt auf einem Hügelkamm mit spezieller Aussicht: rechts runter – ein blickdichter Wald, links hinunter eine wohltuend hügelige Weite. Dem Hügelrücken nach Süden folgend gehen wir, mit kleinen Schlenkern, nur mehr gradaus Richtung Pressbaum.

An Pferdehöfen vorbei, noch einmal ein kleines Stückl steiler bergauf, durch einen Wald mit vielen alten mächtigen Bäumen. Dem Bahnhof nähern wir uns bergab auf einem Waldwegerl. Der steht nämlich direkt am Waldrand der Bahnhof.

Meine Verabschiedungen passieren zum Teil ein bissl gschwind. Im Zug is fiami neht so afoch in Obschied vo mehrare Kolleginnen und Kollegen zum Zelebriern.

Deswegen jetzt:
Liebe Birgit, Liebe Inge, Liebe Kathi, Liebe Katharina, Liebe Ricarda, Liebe Ursula, Lieber Bernhard, Lieber Otmar
danke für diese Stunden.
Ich hab sie sehr mit euch genossen.

Mannfried